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Frankreich, 1.1.1947
Liebe Eltern und Geschwister!
Die besten Neujahrsgrüsse aus der Gefangenschaft sendet
Euch allen Euer Sohn und Bruder Eduard. Hoffe dass Ihr
noch alle gesund seid, was bei noch der Fall ist.
Mit einem etwas gemütlicherem Abend wie die andern
Tage haben wir hier das alte Jahr (begonnen) beendet
und das neue begonnen. Wir wollen alle hoffen, dass es
uns viel Glück bringt und vor allen Dingen die schon
so lang ersehnte Heimkehr. Wie habt Ihr denn daheim die
Feiertage verbracht? Hoffe doch, dass wir bis zum nächsten
Weihnachtsfest alle beisammen sind. Euern Brief vom 16.12. und
die Karten vom 3. und 16.12. habe ich kürzlich erhalten, wofür ich
bestens danke. Arbeite nun schon ein Jahr auf meiner jetztigen Arbeits-
stelle, wo wisst Ihr ja. Die Adressen von Onkel Mathias habe ich auch erhalten. Ich
glaube da was besseres zu wissen, was auch schnellergeht. Wenn möglich
könnt Ihr nochmal ein Päckchen schicken mit etwas Schmalz, Zwie-
back und das Gewünschte vom 7.10. Bis auf Weiteres könnt Ihr mal was
schicken, wenn nicht, werde ich Euch beizeiten schreiben. Wie man spricht,
soll gestrichen im Frühjahr die Entlassung beginnen, es heisst dass bis Juli alle weg
sein sollen. Aber leider hat man uns schon zu oft betrogen. Wenns wahr ist, dann
gut, andernfalls lass ich kommen wie ich Euch ja früher schon schrieb.
Auf ein baldiges frohes Wiedersehn grüsst Euch herzlich Euer Eduard