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11.4.1948
Lieber Eduard! Vielen Dank für Deinen lieben Brief von
Ostern, den ich gestern erhielt. Gesundheitlich sind wir
soweit noch Alle in bester Verfassung was wir auch von
Dir hoffen. Dein Optimismus in Bezug auf unsere Ent-
lassung scheint sich ja mächtig gesteigert zu haben.
Leider muß ich Dir von unserer Sicht aus einen klei-
nen Dämpfer geben. Nach allen bisherigen Erfahrungen
und den von hier abgehenden Transporten zu urteilen haben
wir vor Ende des Jahres nichts zu erwarten. Der Februar
hält mit 152 Mann bisher noch den Rekord in der
Entlassungszahl. Da kannst Du Dir ja ein Bild machen
wie die Sache vonstatten geht. Für diesen Monat
ist auch nicht mehr viel vorgesehen und im Mai soll
sich garnichts abspielen. Am Mittwoch kamen auch
wieder 100 Mann von Marseilles, heute sind sie zum
ersten mal eingefahren. An die 100 Mann haben heute
das Lager wieder als Freiwillige Arbeiter verlassen. Die
sollen nur 9 Monate zu machen brauchen. Das wäre
für heute wieder die Neuigkeiten. Nebenan sitzt die
ganze Runde wieder beisammen und zwitschert einen.
Sie feiern Jupp Billigs Geburtstag. An Ostern war hier nur auf
dem Sportplatz und dem Rosering etwas los, im übrigen
ziemlich langweilig. Für heute schließe ich nun und wünsche
Dir alles Gute. In der Hoffnung das uns dieses Jahr doch noch
ein Wiedersehen beschert, trotz allem ungünstigen Anzeichen, ver-
bleibe ich für heute mit den herzlichsten Grüßen Jupp