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Frankreich, 20.7.1947
Liebe Eltern und Geschwister!
Recht herzliche Grüsse aus der Kriegsgefangenen-
schaft sendet Euch allen Euer Sohn und
Bruder Eduard. Bin noch gesund und munter,
und hoffe dies auch von Euch allen. Euren lieben
Brief vom 9.7. habe ich dankend erhalten. Was
gibts denn bei Euch für Neuigkeiten? Was macht
denn noch die Dorfjugend? Von hier gibts nicht viel
Neues zu berichten. Auf Entlassung können wir doch
noch lange warten. Alle drei-vier Wochen werden
höchstens einige ältere Familienväter und Unteroffiziere
gleich welchen Alters entlassen. Zu letzteren zählte
auch mein Kamerad Otto Jung von Ettringen der
vor drei Wochen entlassen wurde. Wie ich gehört habe,
ist er schon zu Hause. Soviel mir bekannt, ist der jetzige
Schmied oben sein Schwager. Er sagte mir, dass er Euch
gelegentlich mal aufsuchen werden, da er in Oberbaar
noch Verwandte hat. Wir hatten ja vor, beide zugleich
daheim zu sein, aber leider wars nicht möglich.
Nun vielleicht kann es doch noch was werden, dass
ich zur Kirmes zu Hause bin. Hoffen wir das Beste.
Päckchen schickt bitte keine. In der Kantine gibts genug gestrichen zu kauen
Nochmals herzliche Grüsse Eduard