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3.V.1947/ Liebe Eltern und Geschwister! Recht herzliche Grüsse sendet
Euch allen Euer Eduard. Erhielt diese Tage Eure lieben Briefe vom
15., 16. + 20.IV. wofür ich Euch herzlich danke. Es freut einen
doch immer wieder wenn man einige Neuigkeiten aus
der Heimat erfährt. Es interessiert sich wohl besonders
jeder Kriegsgefangene für das, was in der Heimat vor
sich geht und dann kommts wie so oft, dass man sich
sagt: "Wäre ich doch zu Hause, wie leicht könnte man
denn doch dieser oder jener Not Abhilfe schaffen." -
Ja, wann werden die Tore der Gefangenenlager mal
für alle aufgetan werden, sodass auch alle restlos
in ihre Heimat zurück dürfen? - Eine harte
Zeit ist es, man möchte helfen und kann doch nicht.
Nun es ist einmal Gottes Wille , die Erde ist und bleibt
ein Jammertal. Schlechte Zeiten bringen die Menschen wohl
eher zur Besinnung wie die guten. Doch leider gibt's noch
zu viele , die auch heute noch nicht soweit gekommen
sind und falls sie noch an einen Herrgott glauben,
was leider nur sehr selten der Fall ist, nur ihn für
alles Vergangene verantwortlich machen wollen. - Von
Bruder Josef erhielt ich auch einen Briefe worauf ich ihm
geantwortet habe. Meuspaths Franz schreibt mir auch sehr
fleissig. Leider fehlen dauernd die Rück-Antwortbriefe. Auf baldiges Wiedersehn grüsst herzlich
Eduard