Seite 2
9.2.1947
Liebe Eltern und Geschwister!
Die besten Sonntagsgrüsse aus Frankreich sendet
Euch allen Euer Sohn und Bruder Eduard. Erhielt
soeben Euren lieben Brief vom 23.1. worüber ich mich sehr
gefreut habe. Von 3 Päckchen, die Ihr schicken wolltet, habe
ich bisher noch keins erhalten. Dass Ihr öfters längere Zeit
(ohne) auf Post von mir wartet kann ich mir nicht anders
erklären als dass die Post längere Zeit irgendwo rum-
liegt. Sooft ich Gelegenheit habe, schreibe ich Euch.
Da ich zwischendurch auch öfters Antwortbriefe
erhalten habe, was hoffentlich auch so bleibt,
konnte ich Euch mindestens jede Woche einmal schreiben.
Von Hermann und Onkel Mathias erhielt ich auch je
eine Karte. Wir bekommen hier pro Monat 2 Pakete Tabak,
aber was für Tabak ist, könnt Ihr Euch kaum
vorstellen. Aber ich komme schon hin. Hört mal bitte nach
bei jemand der in französischer Gefangenschaft war wie es bei der
Entlassung zugeht und ob Wertsachen, wie Uhren und so weiter weg-
genommen werden. Schreibt dies dann bitte sofort. Es wird
erzählt dass März-April die Entlassung beginnen soll.
Entschuldigt bitte die schlechte Schrift, da man hier nie un-
gestört schreiben kann. Nochmals herzlichen Gruss von Euerm Eduard