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27.1.1947
Liebe Eltern und Geschwister!
Die besten Grüsse aus der Gefangenschaft sendet Euch allen Euer
Sohn und Bruder Eduard. Erhielt soeben Euren lieben Brief mit Bild
vom 25.12., wofür ich Euch herzlich danke. Ich habe mich sehr
darüber gefreut. In den letzten Jahren habt Ihr Euch ja alle sehr
verändert. Ich war direkt sprachlos wegen der kleinen Berta von
früher und heute. Ich kann sie einfach nicht mehr wiedererkennen.
Da kann Berta ja nun bald fleissig mithelfen bei der Arbeit. Vater und
Mutter sehen ja auch bedeutend älter aus wie früher, wieso das kann
ich mir zwar denken. Aber ich kann Euch nur einen Rat geben,
nur die Arbeit zu machen die unbedingt sein muss. Möge doch der
Herrgott uns allen dreien eine baldige Heimkehr schenken, allein
schon damit wir Euch bei der Arbeit helfen könnten, ganz ab-
gesehen von den Sorgen und Nöten des Gefangenen. Aber auch
einmal kommt für uns die Stunde der Befreiung. Der
liebe Gott hat uns bisher geholfen und wird es auch weiterhin
tun. Auf ihn allein wollen wir unser Vertrauen setzen. -
Es sind nun bis heute grade 3 Jahre vergangen seit ich
das letzte Mal Abschied nahm von Euch. Ja, es geht doch
nichts über die geliebte Heimat. - Albert sah ich gestrichen zum
letzten mal in Darmstadt beim RAD, vor 4 Jahren. Wenn
ich Euch nochmal sehen kann, bin ich überglücklich,
das glaubt mir nur. In der Hoffnung dass dies bald der
Fall sein wird grüsst Euch nochmals recht herzlich Euer Eduard
Viele Grüsse an alle Verwandten.