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Frankreich, 24.12.46
Liebe Eltern und Geschwister!
Recht herzliche Weihnachtsgrüsse sendet Euch allen Euer Sohn und Bruder
Eduard. Leider sollte es diesmal nicht so sein, dass wir dies hohe Fest
alle beisammen in der Heimat feiern konnten. Und trotzdem dürfen wir nicht
traurig sein und wenn wir es in grösster Einsamkeit verbringen müssten.
Denn für uns Christen hat dies hohe Fest, das doch das Fest des Friedens
und der Freude sein sollte eine ganz andere Bedeutung wie für die übrige
Menschheit, die wohl vielleicht auch jetzt die Weihnachtslieder mit uns singt
aber doch deren und des Festtags richtigen Sinn und Bedeutung nicht
richtig begreift noch begreifen will wie es heute bei der sogenannten
"Modernen Welt" der Fall ist. Was ist es doch eine grosse Gottesgabe Katholik zu
sein! Ja meine Lieben, im Laufe der Jahre hat man doch die Welt mit
all ihrer Schlechtheit und Ungerechtigkeit kennen gelernt. Und da gilt's
ganz besonders sich an den Herrgott zu halten der doch alles
so wunderbar zu lenken weiss. - Wie wäre es doch so schön, wenn wir
uns nochmal so recht aussprechen könnten. Gebe der Herrgott dass wir uns
recht bald alle gesund wiedesehn. Auf ihn allein wollen wir vertrauen,
wenn's auch schon mal nicht grad so leicht zu sein scheint, denn auch
er weiss seine Gläubigen einst ewig zu belohnen.
Euern Brief vom 30.11. habe ich dankend erhalten. Entschuldigt bitte
die schlechte Schrift, da es diesmal nicht anders geht. Habe nämlich
Montag einen kleinen Unfall an einem Finger gehabt. Beim Absprin-
gen von einer Lokomotive bin ich mit 1 Finger hängen geblieben. Hätte
ihn ja leicht ausreissen können, aber es hat nochmal gut gegangen. Bin
gleich zum Hospital gegangen, gestrichen wo es gleich genäht wurde. Da habe ich
jetzt wenigstens mal was Frei für einige Tage. Zum Schluss wünsche
ich Euch und allen Verwandten ein gottgesegnetes Neujahr. Euer Eduard